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Lyrik
Die-Dichterin-Anzeige-im-Blog
Lyrik modern und klassich
in Anlehnung an die Verse berühmter deutschsprachiger Dichter - neu interpretiert mit Texten zum Zeitgeist des 21. Jahrhunderts - kritisch, skurril und als Denkanstoß
weitere Gedichte gibt es auf meinem Blog oder auf den folgenden Seiten:




Tragisch -  in der modernen Version leider gleichfalls ohne Happy-End. Ein Gedicht zum Thema
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llegale Autorennen

PS-König

Wer rast so spät durch Nacht und Wind?
Es sind zwei Männer, die voller Ehrgeiz sind.
Der Chrom, der glänzt – die Motoren röhren,
Ersatzpotenzen die betören!

"Heute feg ich dich vom Straßenrand,
ich bin der Schnellste hier im Land!"
So spricht ein jeder leise vor sich hin,
allein der Teufel sieht darin den Sinn.

"Lass rollen, gibt dem Antrieb Saft:
Dein Schlitten hat die meiste Kraft!
Der andre ist bald abgehängt,
wenn ein Kerl wie du den Wagen lenkt."

Schneller, schneller geht’s voran,
der Teufel treibt die Fahrer an.
Und der Verstand schweigt still und stumm,
jetzt abzubremsen wär voll dumm!

"Lass den Luschie weit zurück,
Geschwindigkeit ist wahres Glück!"
Dein Herz, das rast, es geilt dich an,
den Sieg, den schafft ein echter Mann!

"Du Schwachkopf, halt die Karre an,
Verblödung macht noch keinen Mann!"
"Shut up, Verstand!" Der Teufel lacht:
"Über den Fahrer hast du keine Macht!"

Eindeutig ist des Teufels Ziel,
er treibt mit Schwächen stets ein böses Spiel!
Der Gummi quietscht, Häuser fliegen vorbei,
wo‘s crashed, das ist ihm einerlei!

Dem ersten Fahrer wird allmählich bang.
Eine Familie geht den Überweg entlang.
Er bremst mit Müh und Not,
Zu spät: Zwei Kinder liegen auf der Straße – tot!!





Original

Der Erlkönig von Johann Wolfgang von Goethe

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? –
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. –

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“ –

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht? –
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind. –

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“ –

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort? –
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ –
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.
 
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